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Bosch Classic

Härtetest Mille Miglia

Bosch Classic entwickelt Starter für Vorkriegsmodelle von Mercedes

Auch in die Nachentwicklung von Ersatzteilen für Oldtimer investiert Bosch kontinuierlich. Dabei vollzieht das Unternehmen einen Spagat zwischen gestern und heute.

Tempo, Tempo: die Mille Miglia ist keine Spazierfahrt

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1000 Meilen oder 1609 Kilometer von Brescia nach Rom – kreuz und quer durch die italienische Landschaft - und dann wieder zurück. Die Stecke führt über Serpentinen, anspruchsvolle Bergstrecken, durch malerische Dörfer, vorbei an Abgründen und Schluchten. Es geht um Zeit und Punkte, egal ob bei Sonnenschein, Regen, Wind oder Nebel. Die Mille Miglia bringt Mensch und Material an die Belastungsgrenze.

Das war in den 1930er-Jahren so – und ist es heute noch. Heute sind Autos auf der „Mille“ im Einsatz, die zwischen 1927 und 1957 gebaut wurden und bereits damals teilgenommen haben. Zu den Teilnehmern an diesem geschichtsträchtigen Rennen zählen auch ein knallroter Mercedes SS von 1930 und ein weißer SSK von 1928.

Wenn sie die Strapazen der Mille Miglia überstehen sollen, muss die Technik zuverlässig funktionieren. Das gilt auch für den Starter, der den wuchtigen Sieben-Liter-Motor in Schwung bringt. Doch Ersatz für dieses Verschleißteil ist inzwischen mehr als rar. Wo es keine Ersatzteile mehr gibt, ist das Team aus dem Produktmarketing bei Bosch Classic besonders gefragt. Die Sparte des Autozulieferers ist darauf spezialisiert, Teile für ältere und ganz alte Fahrzeugen wieder zu beschaffen, wenn dies wirtschaftlich möglich ist.

Aber ein Bosch-Starter für einen Vorkriegsrennwagen? Auch für diese – sehr spezielle – Anfrage von Michael Plag gibt es eine Lösung. Wobei der Projektleiter von Mercedes Benz Classic Service and Parts in Fellbach bei Stuttgart nicht nur für den knallroten Mercedes SS einen neuen Starter sucht. Er weiß, dass auch für andere Mercedes-Vorkriegsmodelle das Ersatzteil händeringend benötigt wird, um die betagten Motoren am Laufen zu halten. Es sind alles seltene und sehr wertvolle Fahrzeuge.

Es ist die Geburtsstunde eines besonderen Starterprojekts, für das Uwe Schmitt, Produktmanager bei Bosch Classic, ein Expertenteam aus verschiedenen Entwicklungsabteilungen wie dem indischen Bangalore, aus Göttingen und Schwieberdingen zusammenstellt.

„Da so ein komplexes Produkt wie der Starter aus vielen Einzelteilen besteht, ist es unmöglich, das ohne Zeichnung nachzubauen“, erklärt Schmitt. Also machte man sich bei Bosch auf die Suche nach passenden Konstruktionszeichnungen. Diese waren nur zum Teil vorhanden. Eine andere Möglichkeit, den Starter nachzubauen wäre es, ein Original zu zerlegen, jedes einzelne Teil zu analysieren und eine neue Zeichnung davon zu erstellen. Allerdings geben diejenigen, die noch einen der wenigen Originalstarter besitzen, ihn für einen solchen Zweck natürlich nicht her. Zudem wäre der Zeitraum bis zur nächsten Mille Miglia sowieso zu kurz gewesen.

Eine Alternativlösung musste her. Das Team nahm einen Starter aus der aktuellen Serie und passte ihn so an, dass er die konstruktiven Anforderungen des Fahrzeugs erfüllt. Eine Änderung am Fahrzeug ist bei solchen Raritäten nicht möglich. Die damaligen Befestigungen waren sogenannte Sattelbefestigungen mit Metallbändern. Heutige Befestigungen werden mittels Flansch umgesetzt.

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Eine Herausforderung

Doch hier hatten die Entwickler eine geniale Idee: Sie konstruierten um den Starter herum eine Befestigungsglocke passend zu den am Fahrzeug befindlichen Einbauverhältnissen. Diese sorgt nun dafür, dass er mit den Metallbändern im Motorraum befestigt werden kann. Viele Überstunden hat das Team in die Entwicklung des Starters investiert. „Diese zusätzliche Aufgabe nehmen auch nur Menschen auf sich, die sich gerne mit solchen Dingen beschäftigen und auch eine gewisse Leidenschaft dafür hegen,“ so Schmitt. „Wie bei jeder Neuentwicklung in der Autoindustrie müssen auch in diesem Fall Belastungstests und Probeläufe stattfinden, bevor die Freigabe durch den Fahrzeughersteller erfolgt“.

Diese wurden im Labor und bei der Fahrzeugerprobung durchgeführt, und die hieß in diesem Fall: „Mille Miglia“. Als ob das Rennen für den 86 Jahre alten Mercedes-Rennwagen nicht schon anspruchsvoll genug wäre. Die „Mille“ geizt nicht mit Herausforderungen. In den ersten beiden Tagen gießt es wie aus Kübeln – eine zusätzliche Strapaze, denn Regenschutz kennt der Mercedes SS genauso wenig wie Scheibenwischer, Servolenkung oder gar Bremskraftverstärker. „Für den Test ist eine bestimmte Anzahl an Kalt- und Warmstarts definiert, die wir mit dem Auto machen müssen“, erklärt Schmitt. Also ist er mit Michael Plag und den anderen Vorkriegsserviceteams von Mercedes-Benz morgens lange vor den Fahrern aus den Federn und schon wieder am Auto.

Der neue „alte“ Starter hat alle Prüfungen bestanden und darf nun als offizielles Mercedes-Teil verbaut werden. Michael Plag und seine Kollegen im Classic Center in Fellbach bei Stuttgart bestücken damit nicht nur den Mercedes SS sondern auch den weißen SSK, der schon viele Jahre bei der Mille Miglia zum Einsatz kommt. In der Werkstatt – die eigentlich mehr einem lichtdurchfluteten Künstleratelier gleicht – werden die Starter verbaut und die Fahrzeuge für den Einsatz gewartet.

„Wir starten schon frühzeitig mit der Vorbereitung für die Mille Miglia. Ein halbes Jahr arbeiten wir an den Autos, um sie für das Rennen startklar zu machen“, betont Plag. In gewisser Weise sind die alten Fahrzeuge auch Kunstwerke, die es wieder zu reparieren gilt. „Oftmals müssen wir in unserem Archiv lange recherchieren, um die Autos reparieren zu können. Glücklicherweise verfügen wir über eine sehr genaue Dokumentation. Wir arbeiten teilweise sogar noch mit Zeichnungen, die von Gottlieb Daimler persönlich unterschrieben sind“, erzählt er stolz. Oder die Spezialisten von Bosch Classic in Karlsruhe haben Ideen und Lösungen. Auch beim 1886 gegründeten Zulieferer Bosch wird das historische Wissen gehütet wie ein Schatz. Läuft eine Produktion im Unternehmen aus, verbindet man das bei Bosch Classic vor allem mit den Fragen: Ist das Erzeugnis klassikrelevant? Was können wir tun, um es am Leben zu halten? Welche Bestände müssen angelegt werden?

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„Wichtig ist nach unserem Verständnis alles, was den Betrieb der Fahrzeuge sichert“, erklärt Schmitt. Denn Stillstand sei Gift für die Technik: „Darum heißt es ja Fahr- und nicht Stehzeug“, ergänzt er lachend. Das Bosch Classic Programm umfasst Tausende von Teilen für Old- und Youngtimer, vom Anlasser bis zur Zündkerze. „Wir wollen, dass die Fahrzeuge erhalten und gefahren werden können.“ Das ist für das Team bei Bosch Classic mit erhöhtem Aufwand verbunden.

Viele Teile werden nur selten benötigt. Das erfordert entsprechende Lagerkapazität und zum Teil auch unterschiedliche Lagerbedingungen. Die Erzeugnisse erfordern außerdem viele zusätzliche Arbeiten, die der Kunde kaum ahnt: Damit die spezifischen Lagerzeiten der Produkte gewährleistet werden können, ist es notwendig, nach bestimmten Intervallen Prüfmaßnahmen durchzuführen. Das kann vom erneuten Einbringen von Schmiermitteln bis zum Bestromen elektronischer Komponenten reichen.

Einige Teile hingegen werden in Stückzahlen benötigt, die eine Fertigung wirtschaftlich sinnvoller machen als Bestände zu lagern. Insgesamt produziert Bosch noch mehrere tausend Produkte für Old und Youngtimer an verschiedenen Standorten. Bosch Classic hat für die Nachfertigung diverser Erzeugnisse die entsprechenden Maschinen aus den Bosch Werken übernommen. Der Wissenstransfer spielt hierbei eine große Rolle.

„Das Knowhow über die Maschinen und die Teile ist in den Werken dokumentiert. Die Mitarbeiter wissen genau was zu tun ist, um die Fertigungsqualität zu gewährleisten. Sie geben dieses Wissen an die jüngere Generation weiter“, erklärt Schmitt.

Auch in die Nachentwicklung von Ersatzteilen für Oldtimer investiert Bosch kontinuierlich. Dabei vollzieht das Unternehmen einen Spagat zwischen gestern und heute.

Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit genau diese Freude möglichst lange erhalten bleibt. Dafür steht unser Team im Produktmarketing.

Uwe Schmitt, Projektleiter von Mercedes Benz Classic Service and Parts

Eigentlich soll die Originalität der Erzeugnisse gewahrt werden. Wo möglich kommt auch moderne Technik zum Einsatz. Das hat verschiedene Gründe. So dürfen aus umweltgesetzlichen Gründen manche Stoffe heutzutage nicht mehr verwendet werden. Außerdem ersetzt man mechanisch anfällige Lösungen mit Elektronik und dem Technikwissen von heute. Das verbessert die Zuverlässigkeit.

„Wir wollen, dass die Kunden zufrieden sind mit unseren Produkten, erläutert Schmitt. Die „Schwarze Batterie“ ist so ein Beispiel. Sie ist auf großen Wunsch der Oldtimer-Gemeinde wieder ins Programm genommen worden. Sie sieht aus wie das Modell aus den 50er und 60er-Jahren. Doch das Innenleben entspricht dem einer modernen Batterie. Oft ist eine Nachfertigung aufgrund der zu geringen Stückzahl nicht möglich. In vielen Fällen können jedoch die bestehenden Teile aufbereitet, Gehäuse gereinigt oder Verschleißteile erneuert werden. So gehen beispielsweise Starter und Generatoren, aber auch Mengenteiler und Zündverteiler in den zweiten Oldtimerfrühling.

Doch es müssen nicht immer sündhaft teure Fahrzeuge sein, die durch ihre Seltenheit sogar eine Startberechtigung bei der Mille Miglia erhalten. Immer mehr Menschen entdecken ihre Leidenschaft für die Technik vergangener Tage. Allein auf Deutschlands Straßen sind derzeit rund 388.000 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen unterwegs – Tendenz steigend. Es ist mehr als nur ein Hobby, einen Oldtimer zu besitzen und zu restaurieren. Die Fahrzeuge mit Geschichte zaubern Besitzern und Zuschauern gleichermaßen ein Lächeln ins Gesicht.

„Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit genau diese Freude möglichst lange erhalten bleibt. Dafür steht unser Team im Produktmarketing“, betont Uwe Schmitt. Er schließt sich dem Rat vieler Oldtimer-Experten an: „Wer sich für ein historisches Fahrzeug interessiert, sollte unbedingt einen Fachmann hinzuziehen. Dieser kann den Preis und den möglichen Restaurationsaufwand meist besser einschätzen. Schließlich soll der Oldtimer dem Besitzer so lange wie möglich Freude bereiten.“.